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tod, patriarchat und ästhetik, 2021 


Vortrag, Freitag, 15.10.2021, 19:30 Uhr, Heizhaus

Design Festival GleichUngleich, Design Verein, NürnbergDer Tod eines Menschen ist nicht zu trennen von der Welt in der er lebt. Nicht von deren Strukturen und System. Ein Tod, ein Leben und somit das Sterben, ist immer auch politisch, gesamtgesellschaftlich und kulturell zu betrachten. Sterben ist niemals gleich sterben. In einer vom Kapitalismus geprägten westlichen Kultur, haben wir nicht gelernt über den Tod zu sprechen und deshalb tun es die meisten von uns auch nie, oder eben erst dann, wenn er uns unmittelbar berührt.

Der gesellschaftliche, kulturell beigegebene Umgang mit dem Tod spiegelt sich beinahe deckungsgleich in seiner visuellen Übersetzung wieder. Die patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft haben enge, begrenzte und sich selbst reproduzierende Rituale und Normen geformt, die auf visueller Ebene auch mit Sehgewohnheiten einhergehen. In allen Bereichen der hiesigen Sepulkralkultur – die Kultur des Sterbens, des Todes und des Trauerns – findet sich eine Ästhetik der visuellen Kommunikation wieder, die tiefgreifend männlich, christlich und regressiv beeinflusst ist. Und diese ist ebenso alt wie eng verbunden mit der Darstellung des Todes in der Kunst, die bis heute beinahe widerspruchslos genutzt und reproduziert wird. Diese ästhetische Allgemeingültigkeit, sowohl im künstlerischen, als auch im gesellschaftlichen Bereich schließt oft die Möglichkeit aus, den Tod divers zu denken und darzustellen. Wir brauchen also nicht nur einen Dialog und Vokabeln, sondern auch neue visuelle Wege uns mit dem Thema zu beschäftigen.
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